Auf der Sonnenterasse des “Gipfelhaus Magdalensberg”, bei vorfrühlingshaften Temperaturen, ein atemberaubendes Panorama vor Augen und sanfte Alphornklänge im Ohr, lässt sich herrlich genussvoll der Schautag überdenken, der hinter mir liegt. | | |  |
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| | | Ich muss zugeben, dass ich mich sehr geehrt fühlte und auch Freude empfunden habe, als die Organisatoren der 5. Kärtner Fleischrindermesse mich baten,das Jungrinderchampionat für die Rasse Highland-Cattle am 14. März in der Zollfeldhalle von St. Donat zu richten. Nur ganz kurz flackerten Bedenken auf, fühlte ich mich doch vielen österreichischen Züchterkollegen bereits seit etlichen Jahren freundschaftlich verbunden. Oft genug schon haben Richterurteile böses Blut hervorgebracht.
Doch der alte schottische Grundsatz, dass eine Rangierung auf der Schau „one man's opinion“ ( in diesem Fall also die Meinung einer einzigen Frau ) ist, getroffen als Beurteilung eines Tieres an diesem einzigen Tag, nicht zuletzt auch geprägt vom eigenen Geschmack, ließ mich Mut fassen. Das ist nun mal so, das habe ich selber als Aussteller oft genug akzeptieren müssen und schließlich kommt ja auch jeder freiwillig zur Schau.
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| | | Angenehm überrascht konnte ich dann feststellen, dass keiner der Aussteller auch nur einen Gedanken an eine mögliche Befangenheit meinerseits verschwendete und alle sich mit großem Vertrauen dem Wettbewerb stellten.
In St. Donat sind von jeder Rasse 25 Vertreter zugelassen. Aufgrund der z.T. noch sehr widrigen Wetterverhältnisse in den Heimatbetrieben wurden im Endeffekt 21 Tiere angeliefert. Es galt, in 5 Gruppen die Rangierungen vorzunehmen. Die Tiere wurden sowohl von „alten Hasen im Schaugeschäft“ vorgestellt als auch von noch sehr aufgeregt blickenden „Erstlingen“ im Ring.
Ich hatte sehr viel Verständnis für sie; denn schließlich war die Richterposition auch für mich eine Premiere. Jeder von uns hat schon mal von außen ganz allein für sich „mitgerichtet“ und mal abgewartet, was der Mensch im Ring da so macht und von sich gibt.
Aber diesmal hieß es für mich Rangieren und Kommentieren in aller Öffentlichkeit, das Ganze in 12 Minuten, mehr Zeit wurde mir nicht zugesprochen pro Ring.
Beim Kommentar zu meiner Reihung entschloss ich mich zu größtmöglicher Transparenz. Ich hatte mir vorgenommen, das zu sagen, was ich selbst immer vom Richter erwarte / erhoffe, wenn ich als Schauteilnehmer mit einem Tier im Ring stehe und von ihm eine Position zugewiesen bekommen habe: Eine Erklärung der Entscheidung, das WARUM ! Ich wollte versuchen, meine Entscheidungen für Aussteller und Publikum nachvollziehbar zu machen. Wie gesagt, es war eine Premiere. Ich habe mein Bestes gegeben und ich hoffe, es war gut genug.
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| | | Man möge mir nachsehen, dass ich mich in diesem Bericht nur auf die Kommentare zu den Gruppensiegern beschränke.
In der ersten Gruppe galt es, 4 Bullen im Alter von 14 - 17 Monaten zu reihen. Sieger dieser Gruppe wurde “Baldrian vom Knausserwald / Patzenhof” , gezüchtet von Theresia Buchmaier und im Besitz von Elfriede Hausberger. Der rote Bulle überzeugte durch eine sehr gute Oberlinie, eine breite Brust und viel Tiefe mit ausgeprägter Bemuskelung. Hinzu kamen ein sehr korrektes Fundament mit flüssigem Gangwerk. Diese hervorragenden Eigenschaften ließen mich seinen sehr starken Hornansatz und die etwas fehlende Länge ignorieren.
In der zweiten Gruppe mit 4 Bullen im Alter von 21 - 23 Monaten, gestaltete sich das Rangieren schon schwieriger. Vier Prachtburschen stolzierten da im Rund. Leider zog sich einer rasch selbst aus dem Verkehr, da ich ihn, der sich aufgrund einer Nasenringverletzung kaum vorführbar präsentierte, kaum anfassen konnte. Und das, wo ich ein erklärter Bob Marley - Fan bin.
Meine Wahl fiel schließlich auf “Cupido vom Knausserwald / Penz”, gezüchtet von Rosa Penz und im Besitz von Anna und Gerhard Rockenschaub. Dieser prachtvolle lackschwarze Bulle überzeugte durch ausgeprägte Breite in Schulter und Becken, einer enormen Tiefe, wunderbarem Typ und sehr ausgeglichenem Temperament. Das leichte “Knackeln” in der an sich genügend gewinkelten Hinterhand mag sich wohl noch auswachsen können, wenn ihm in seiner Weiterentwicklung nicht zu viel Gewicht zugemutet wird. Jeder von uns kennt die Diskussionen zu diesem Thema.
In der Gruppe 3 präsentierten sich drei Kalbinnen im Alter von 9 - 14 Monaten. Die schokoladenfarbene Jüngste der Abteilung bestach durch ihren auffallenden Liebreiz. Mir fällt einfach kein treffenderes Wort für ihre Erscheinung ein. “EHC Unique”, gezüchtet und vorgestellt von Oliver Behringer, gleichmäßig breit, von guter Länge und Tiefe, absolut korrekt und mit phantastischem Haarkleid, absolvierte das Pflichtprogramm mit großer Gelassenheit und Vertrauen und ließ sich zu jedem Zeitpunkt optimal präsentieren und aufstellen.
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| | | Die Gruppe 4 bildeten vier Färsen im Alter von 16 - 20 Monaten. Schon bald fiel meine Wahl auf die rote “Anja vom Schneiderlehen”, gezüchtet und im Besitz von Dr. Helga Krückl, die zum ersten Mal ausstellte. Die Vorführerin zeigte sich noch leicht aufgeregt, das Rind dagegen war völlig locker, unverkrampft und von sehr ruhigem Gemüt. Das kam seinem äußerst korrekten Bewegungsablauf sehr zugute. Genügend Länge und Tiefe, gekrönt von einem sehr typvollen, femininen Kopf mit feinen, schön geschwungenen Hörnern.
In Gruppe 5 bildeten 3 Kalbinnen im Alter von 24 - 28 Monaten den letzten Ring der Vorentscheidungen. Eine so schön wie die andere, korrekt, lang, tief mit guter Oberlinie, gut bis sehr stark im Fleischansatz. Hier entschied ich mich für die rote “Pia vom Frohngütl”, gezogen und im Besitz von Resi und Bernhard Pirchner, gekonnt vorgeführt von Sohn Robin. Ich gebe zu, in diesem Ring musste ich zum “Fehlergucker” werden, und bei Pia konnte ich absolut keinen finden. Sie verkörpert für mich die vollkommene Harmonie mit sehr viel femininem Charme und einem excellenten Bewegungsablauf, kurz gesagt “breed character” in Vollendung.
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| | | Keine Frage, dass ich dieses Loblied auf Pia auch bei der Wahl der Gesamtsiegerin der Schau weitersingen musste. Im Endring waren alle Erst- und Zweitplatzierten der einzelnen Gruppen versammelt. Eine wunderschön anzusehende Kollektion von 6 Tieren, die das Herz eines jeden Highlandzüchters höher schlagen lässt. Es ist und bleibt einfach ein “königliches” Rind.
Zur Reservesiegerin erkor ich die tiefschwarze “Princess Dubh vom Aignerhof”, die Zweitplatzierte aus Gruppe 5, gezüchtet und im Besitz von Alfred Aigner. Ein wahrer “eye-catcher”. Perfekt vorgestellt, verkörpert sie die Eleganz und Harmonie eines Spitzentieres.
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| | | Bei den vier Bullen, die der Endring zeigte, errang der Zweitplatzierte aus Ring 2, “EHC Taurus”, ein dun-farbener, sehr rahmiger und extrem langer Stier, gezüchtet von Oliver Behringer und vorgestellt von Karl Buchmaier den Reservesiegertitel. Ich nehme an, dass seine Frohwüchsigkeit ein wenig auf Kosten von Breite und Tiefe geht. Das wird sich im Laufe seines noch jungen Lebens aber sicherlich ändern. Den Gesamtsieger “Cupido vom Knausserwald / Penz” habe ich bereits bei seinem Gruppensieg kommentiert.
Der international anerkannte Preisrichter für intensive Fleischrinderrassen, Gerry Ernst aus Luxemburg, der den Züchterabend zusammen mit den Hochlandrinderfreunden verbrachte, sagte im Anschluss an die Schau zu mir: “ Ich habe doch sehr gestaunt, als ich die Highland Cattle sah und meinen Augen kaum getraut. Bei uns gibt es keine mit soviel Fleisch. Die sind alle viel kleiner und dünner, deshalb lohnen die sich auch nicht für die Bauern. Da haben schon viele wieder aufgehört.”
Herzlichen Dank noch mal an alle Aussteller! Ihr habt mich durch eure Disziplin im Ring und das gekonnte Vorbereiten der Tiere zur Schau bei der Bewältigung meiner Aufgabe sehr unterstützt.
Ein ausgelassen-fröhlicher Züchterabend , den besonders “Standfeste” bis 3.30 Uhr in der Früh ausdehnten, beschloss einen ereignisreichen Tag. Mit launigen Worten führte der Obmann der Kärntner-ARGE Mag. Raimund Grilc durch die Siegerehrung nebst Pokalverteilung, Ing. Ernst Lagger erinnerte noch mal an die Zeiten, als sich die Hochlandrinderzüchter durch die konsequente Zähigkeit von Oliver Behringer endlich einen anerkannten Status beim Jungrinderchampionat erkämpften, und Friedrich von Hardegg, der den Schautag unermüdlich fotografisch dokumentierte, versüßte die Siegerprämien mit einem zusätzlichen Umschlag der Österreich-Arge. Resi Buchmaier, die einen 10-köpfigen Fanclub aus Oberösterreich mitgebracht hatte, zauberte einen Schoko-Trostpreis für Helga Krückl hervor, die sich im Trubel des Schaugeschehens den rechten Arm gebrochen hatte, was der Freude am Erfolg ihres Rindes aber keinen Abruch tat.
Alle waren sich einig: St. Donat muss wieder stattfinden!
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| | | Nun ziehen doch ein paar Wolken auf am Magdalensberger Himmel, es wird kühler. Ich fahre gleich, reich beschenkt mit Kärntner Hausmacher-Spezialitäten, die mir vermutlich eine Übergewichtstaxe am tui-fly-Schalter bescheren werden, Richtung Flughafen Klagenfurt. Jeder Bissen zuhause wird eine Erinnerung an diese schöne Veranstaltung und an die außerordentliche Gastfreundschaft hervorrufen.
Mit herzlichen Grüßen nach Österreich Gisela Klosner
Text: Gisella Klosner
Fotos: Arge | | |
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