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Quer Gedacht

 

 

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Wohin führt der Freihandel mit Agrarprodukten?

Das volkswirtschaftliche Credo, „Freihandel führt grundsätzlich zu mehr und größerem Wohlstand für alle Beteiligten“, fußt auf der Theorie vom komparativen Kostenvorteil, aufgestellt 1817, also vor annähernd 200 Jahren, vom Ökonomen David Ricardo.

Der Umkehrschluss besagt natürlich, dass Handelsbarrieren, Zölle oder Importbeschränkungen dem Wohlstand abträglich sind. Zur Erklärung seiner Theorie wählte Ricardo das Beispiel von der Tuch- und Weinproduktion sowohl in England als auch in Portugal. Fazit der Theorie war die Empfehlung, dass die Portugiesen sich auf den Weinbau konzentrieren und die Tuchproduktion den Engländern überlassen sollten, obwohl die portugiesische Tuchproduktion jener Englands überlegen war. Über die Opportunitätskosten, das sind die präsumtiven Erlöse aus Aktivitäten, die der Eine besser (billiger) kann als der Andere, sollten beide Partner Vorteile ziehen.

Das Beispiel war so problematisch wie die Theorie selbst. In England war und ist eine nennenswerte Weinproduktion aus klimatischen Gründen nicht möglich, und die portugiesischen Tuchweber konnte man nicht generell in Weinbauern umwandeln. Was bewirkte das auf dieser Basis abgeschlossene Handelsabkommen? Für England brachte es steigenden Wohlstand, während Portugal in der wirtschaftlichen Entwicklung zurück blieb.

Ausgehend von diesem Beispiel kommt Prof. Dr. Mathias Binswanger, Professor für Volks-wirtschaftslehre in Solothurn, Schweiz, zu folgenden Schlussfolgerungen:

Der Freihandel mit landwirtschaftlichen Produkten führt zu vielen Verlierern und nur wenigen Gewinnern. Verlierer sind die meisten Bauern sowohl in den Industrie- als auch in den Entwicklungsländern, während sich einige „Großbauern“ und ein paar internationale Konzerne zu den Gewinnern zählen dürfen. Daraus folgert Prof. Dr. Binswanger, dass landwirtschaftliche Produkte von Freihandelsabkommen ausgenommen werden sollen. Zölle und Handelsbeschränkungen zum Schutz der Landwirtschaft sind grundsätzlich gerechtfertigt, da der Freihandel in den meisten Ländern weder Wohlstand noch Lebensqualität fördert.

Die Einbeziehung von Agrarprodukten in den Freihandel führt, wie die Wirklichkeit zeigt, in den Industriestaaten zu einem steigenden Subventionsbedarf für die Landwirtschaft, zum Bauernsterben und letztlich zum Verlust der Ernährungssicherheit. In Entwicklungsändern kommt es zum Rückgang der traditionellen bäuerlichen Lebensmittelerzeugung zu Gunsten der industriellen Produktion von einigen wenigen agrarischen Rohstoffen (Soja, Zuckerrohr, Baumwolle) durch große Agrarkonzerne. Hunger und Verelendung der Landbevölkerung sind die Folgen. Die Bauern in diesen Ländern, die vorher durchaus in der Lage waren, genügend Lebensmittel für sich und die übrige Bevölkerung zu produzieren, ziehen in die Städte, gehen zu Grunde oder sind auf die Hilfe wohltätiger Organisationen angewiesen. Abgesehen davon sind die Produktionsmethoden der Agrarkonzerne weder umweltverträglich noch nachhaltig.

Da immer mehr Land für die Produktion von agrarischen Rohstoffen benötigt wird, holzt man rücksichtslos riesige Waldflächen durch Brandrodung ab und erhöht damit zunehmend die CO2 –Anreicherung der Atmosphäre. Ungeachtet der sichtbaren und unsichtbaren, negativen Folgen betreiben WTO und EU diese Harakiri-Politik unbeirrt weiter. Wer mehr über dieses Thema erfahren möchte, sollte den in Buchform erschienenen Vortrag „Globalisierung und Landwirtschaft – Mehr Wohlstand durch weniger Freihandel“ von Prof. Dr. Mathias Binswanger lesen.

Agrarpolitik geht nämlich jeden etwas an.

 
Autor: Wolfgang Müller
Buchtipp: " Agrarbürokratie"
von Wolfgang Müller, Verlag
Novum Eco, 112 Seten, 14,40€
www.novumeco.com
 
 
 
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