 |
| |
|
| |
Vorbereiten auf neue Zeiten
Wenn der Wolf wiederkommt
Bewirtschaftete Almen mit Viehhaltung suggerieren Ursprünglichkeit und stehen für eine tiergerechte und naturnahe Produktion. Soweit das werbewirksame Bild - dass die weitere Bewirtschaftung vieler Almen jedes Jahr auf Messers Schneide steht, ist weniger hübsch anzusehen. Und zu all den bekannten Hemmschuhen der Almwirtschaft steht bereits ein neuer vor der Türe: der Wolf.
Die Sorge um den großen Beutegreifer ist groß. Vielerorts ist man der Meinung, dass eine Almbewirtschaftung wie bisher unter Anwesenheit von Wölfen nicht mehr möglich sein wird. Besonders Schafe und Ziegen, die in den schwer zugänglichen Steilzonen wertvolle Dienste an der Kulturlandschaft leisten, sind gefährdet. Mal geheimnisvoll flüsternd, mal lautstark fordernd kursiert in manchen Kreisen der innige Wunsch danach, dem Wolf Einhalt zu gebieten - doch das ist nicht möglich.
Wolf und Naturschutz: eine Erfolgsgeschichte
Der Wolf genießt in Österreich den größtmöglichen rechtlichen Schutz vor Störung und Tötung. Dazu hat man sich beim EU-Beitritt mit Unterzeichnung der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie und weiterer internationaler Abkommen (Berner Konvention, Washingtoner Artenschutzabkommen) bekannt.Die Populationen in den Ländern ringsum sind gewachsen und auf der Suche nach neuen Lebensräumen durchstreiften in den letzten Jahren bereits mehrere Wölfe Österreich. Es ist erfreulich, dass der Artenschutz greift und eine einst ausgerottete Tierart langsam ihre alten Lebensräume wieder besiedelt. Doch gleichzeitig stellt sich die Frage, wer für die Schattenseiten dieses Erfolges aufkommen soll.
Wolf und Landwirtschaft: eine Herausforderung
Weit gestreute Herden, Tag und Nacht frei weidend – die Viehhaltung auf Almen wird sich mit der Anwesenheit von Wölfen ändern müssen. Gezielte Herdenschutzmaßnahmen können das Risiko von Raubtierangriffen eingrenzen. Da der Wolf weiterhin einwandern wird, ist eine frühe Auseinandersetzung mit diesen Maßnahmen besonders wichtig. Daher entschloss sich die Konferenz der Agrarreferenten zum Start des Projekts „Nationale Beratungsstelle Herdenschutz“, das vom Bundesverband für Schafe und Ziegen geleitet wird. Information und Beratung rund um Herdenschutz, internationaler Erfahrungsaustausch und das Erproben verschiedener Maßnahmen sind Hauptaufgaben des Projektes.
|
| |
 |
| |
|
| |
Von Zäunen, Hunden und Hirten
Beim Begriff Herdenschutz reagieren viele mit Ablehnung, meist mit der Begründung, Aufwand und Kosten seien einfach zu hoch. Um diese Bedenken zu analysieren, soll in einer Modellregion im Lungau eine etwa 100ha große Almfläche auf verschiedene Art eingezäunt werden. Kernfrage des Versuchs ist es, wie hoch der zeitliche und materielle Aufwand tatsächlich ist, und ob die Zäune den hohen Anforderungen einer Almsaison entsprechen.
Möglichkeiten für den Schutz von großflächigen Almgebieten sind Behirtung und der Einsatz von Herdenschutzhunden. Zahlreiche Erfahrungen anderer Länder werden hier in das Projekt einfließen und besonders bei der Einrichtung der zweiten geplanten Modellregion, auf einer Alm in Tirol, beitragen. 2013 sollen hier erste österreichische Erfahrungen mit Behirtung, Herdenschutzhunden und Nachtpferchen gesammelt und verarbeitet werden.
Wolf und Gesellschaft
Blicken wir noch einmal auf das so beliebte Bild von der naturnahen, ursprünglichen und tiergerechten Almwirtschaft und denken uns den Wolf hinzu. Naturnahe ist, dass der Wolf sich in unseren Wäldern wieder anzusiedeln versucht und dass Schafe nunmal in sein Beuteschema passen. Der Wolf kehrt allerdings in eine nicht mehr so ganz ursprüngliche Umwelt zurück – eine Tatsache, die man angesichts der Erholungsfunktion der Almen für die Bevölkerung nicht vernachlässigen darf. Und Tiergerechtheit bedeutet auch Schutz der Nutztiere vor Gefahren - ein Schutz, den der Landwirt nicht alleine zu tragen hat. Denn wenn der Wolf kommt, müssen insbesondere Gesellschaft und Politik für die Wahrung jenes erhaltungswürdigen Bildes aufkommen – durch eine finanzielle Abgeltung von Schadensfällen und notwendigen Herdenschutzmaßnahmen |
| |
Text: Birgit Lang, BBakk. ist Geschäftsführerin des Bundesverbandes für Schafe und Ziegen
Bilder: Redaktion |
| |